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Grundschule bekommt den Beinamen Isern Hinnerk

Mehrheit der Eltern und Kinder sprechen sich für den ritterlichen Namen aus!



Aus dem Buxtehuder Tageblatt im März 2009:
Apensen (ham). Der eher sachlich klingende Name Grundschule Apensen ist demnächst Geschichte: "Grundschule Isern Hinnerk" soll die Einrichtung schon bald heißen. Der Schulausschuss beschloss während seiner Sitzung am Dienstagabend diese Änderung einstimmig - obwohl es heftige Kritik an diesem Namen gab.

Sein Ruf war nicht der allerbeste: Heinrich von Borch, genannt Isern Hinnerk, war im 14. Jahrhundert ein Raubritter aus Horneburg (siehe Kasten). Das ist der Grund, warum Skeptiker die historische Figur als unangemessenen Beinamen für eine Grundschule halten. Auch wenn kleine Schüler gerne mal große Rabauken sind: Ein Raubritter als Vorbild sei nun wirklich alles andere als geeignet, so die Meinung der Kritiker. Dennoch gab es nur eine einzig Quelle, aus der über Heinrich von Borch berichtet wird. Die Quelle ist der Erzbischof Johann Grand aus Bremen. Und dieser ist bekanntermaßen sein Gegner gewesen. Wer schreibt schon positiv über seinen Gegner?!
Allerdings, darauf wies Claudia Jähnke, Leiterin der Grundschule Apensen, explizit hin, wüssten nur die Wenigsten, dass der Eiserne Heinrich später rehabilitiert wurde. "Wir wollten einen Namen, der einen Bezug zur hiesigen Region hat. Daher waren Vorschläge wie Pippi-Langstrumpf-Grundschule auch schnell vom Tisch", so Jähnke. Die Idee ist, ein neues Schul-Logo mit dem Namenszug Isern Hinnerk zu entwerfen. Das soll sich dann unter anderem auf Schulkleidung wiederfinden. Zudem könne die Figur in den Unterricht eingebaut werden, nicht nur in Geschichte.
Alle Eltern und Schüler waren per Befragung um ihre Meinung gebeten worden, was einen neuen Namen für die Grundschule betrifft. "Die Mehrheit hat sich für Isern Hinnerk ausgesprochen," so Jähnke. Als Folge dieses Ergebnisses hat sich auch der Schulvorstand einstimmig für Isern Hinnerk ausgesprochen. Daher sagte Jürgen Prochnow (SPD): "Ich finde, dass wir uns nicht über den Willen der Eltern und Schüler hinwegsetzen sollten." Die anderen Ausschussmitglieder waren offensichtlich gleicher Meinung, jedenfalls wurde die Namensänderung einstimmig auf den Weg gebracht.

 

Leben

Heinrich von Borch wurde um 1290 als Sohn des bremischen Minesterialengeschlechts der von Borch geboren. Das Geschlecht der von Borch waren seit 1255 Burgmänner auf der Horneburg. In dieser Eigenschaft waren die von Borch auch die Gerichtsherren des Gerichts auf dem Delm in Apensen.

In den Jahren von 1307 bis 1310 war das Erzbistum Bremen ohne Bischof. Während dieser Zeit hatte Heinrich von Borch die Burg Vörde und die Vogtei Vörde inne. Ob ihm dieses Amt verliehen wurde, oder ob er das Machtvakuum ausnutzte und die Burg eigenmächtig besetzte, ist unklar. Jedenfalls muss er das Amt als Vogt zu seinem Gunsten ausgenutzt haben, sei es durch Raubzüge und Überfälle, wie es ihm vom Erzbistum nachgesagt wurde, oder durch ein hartes Regime, wie es sein Beiname Isern Hinnerk nahe legt. Während dieser Zeit begann er, eine eigene Zuflucht zu errichten, die Burg im Dannsee bei Beckdorf. Als das Erzbistum 1310 endlich ein neuen Bischof Johann Grand bekam, bemühte sich dieser, die inzwischen verlorenengegangenen Besitztümer, unter anderem die Burg Vörde, wiederzuerlangen. Heinrich von Borch weigerte sich aber, die Burg zu räumen. Nachdem sich verschiedene Adlige aus Norddeutschland und Bremen gegen Heinrich von Borch zusammenschlossen, räumte dieser dann doch freiwillig die Burg Vörde und zog sich auf seine Burg im Dannsee zurück.

Von dort aus weitete er seine Raubzüge aus, wahrscheinlich um die Vollendung der noch nicht vollständig fertiggestellten Burg zu finanzieren. Die dabei begangenen Untaten veranlassten Johann Grand zur Exkommunizierung Heinrich von Borchs, die ihn aber nicht weiter kümmerte. Erst als sich seine Überfälle auch auf das Herzogtum Lüneburg und das Bistum Verden ausdehnten, schlossen sich Herzog Otto von Lüneburg, der Bischof von Verden und der Erzbischof von Bremen zusammen, um seinem Treiben ein Ende zu bereiten.

Die Verbündeten griffen Heinrich von Borch auf seiner Burg im Dannsee an, die dann im Verlauf der Kampfhandlungen völlig zerstört wurde. Er konnte jedoch zu seiner Familie auf die Horneburg fliehen, die daraufhin ebenfalls belagert wurde. Es gelang ihm, auch von dort seinen Verfolgern zu entkommen, er wurde aber nach länger Flucht doch noch gefasst und in Vörde eingekerkert. Ein Jahr später misslang ein Versuch seiner Freunde aus dem Kreis der Horneburger Burgmannschaft, ihn zu befreien.

In der Zwischenzeit überwarf sich Johann Grand mit seinem Domkapitel und den Adligen der Gegend, bis sich offener Widerstand regte. Es bildete sich eine Opposition, die eine Liste mit Forderungen aufstellte. Dazu gehörte auch die Rehabilitierung Heinrich von Borchs. 1316 verließ Johann Grand Bremen, daraufhin wurde Heinrich von Borch nach fünf Jahren Kerkerhaft freigelassen und übernahm, wahrscheinlich als Ausgleich für seine Kerkerhaft, Amt und Burg Ottersberg.

Heinrich von Borch lässt sich noch bis 1347 urkundlich nachweisen, danach verliert sich seine Spur.

Isern Hinnerk als Sagengestalt

Um Isern Hinnerk ranken sich verschiedene Sagen und Geschichten. So heißt es, er habe, um seine Verfolger abzulenken, die Hufeisen seines Pferdes verkehrt herum aufschlagen lassen. Als er seine Burg im Dannsee nicht mehr halten konnte, soll er seine Schätze in einer Goldene Wiege im Moor versenkt haben. Diese soll alle 100 Jahre in der Johannisnacht wieder an die Oberfläche kommen. Wer sie haben will, darf sich aber nur rückwärts nähern und darf kein Wort dabei sprechen. Einer weiteren Sage nach wurde Isern Hinnerk bei seiner Flucht vor den Männer des Erzbistums Bremen von Kiebitzen verraten, die sich von ihm gestört fühlten, als er sich hinter gestapeltem Torf versteckte.